Aktuelles
Hier findet ihr in Zukunft allerhand nützliche Materialien rund um den Kongress
Kleines Inhaltsverzeichnis
1} Das Thema
2} Call for Papers
1} Das Thema: Literatur und das Böse
Dank seiner großen Wandelbarkeit tritt das Böse auf unterschiedlichste Weise innerhalb der Literatur in Erscheinung. Wird es a uch bis zum heutigen Tage noch von Seiten der Religion und Ethik tabuisiert, so heißt das paradoxerweise auch, dass es zu den meistrezipierten Themen überhaupt gehört. Wie kann das Böse als Begriff von der Literatur gefasst werden?
Erscheinungen, Systeme und Strukturen des Bösen in der Literatur
Von natürlichen Katastrophen, über machiavellistische, dystopische oder totalitäre Gesellschaftssysteme hin bis zum alltäglich prüfbaren Murphys Gesetz – das Böse etabliert sich als notwendige Infrastruktur der (literarischen) Welt. In dystopischen Texten manifestiert sich das Böse u. a. bei Bradbury und Orwell, später auch bei Suzanne Collins und Veronica Roth als eine sichtbare Struktur, welches die Einschränkung jeglicher Individualität der Protagonisten bedeutet. Auch innerhalb der Gesellschaftssysteme ist das Böse als das Fremde, Ausgegrenzte und Verstoßene präsent, wie es Patrick Süskind in Das Parfüm zeigt, wo das Fremde und das Hässliche dem Bösen gleichgesetzt werden. Zudem finden die Probleme des Rassismus, des Sexismus und weiterer Vorurteile als Motiv des Bösen ihren Ausdruck in der Literatur, so zum Beispiel in Texten der Postmoderne.
Figuren, Gegenstände und Orte des Bösen
Verkörpert wird das Böse durch Hexen, Dämonen, Zauberer, Vampire, Geister und weitere magische Figuren. Als eine der prägendsten Formen etabliert sich im 19. Jahrhundert das Motiv des Doppelgängers mit Erzählungen von E. T. A. Hoffmann und Edgar Allan Poe. Seitdem überdauert das Motiv, nicht zuletzt durch berühmte Exempel dieser Art zur Darstellung des Selbstverlustes wie The Picture of Dorian Gray von Oscar Wilde und Robert Louis Stevensons The Strange Case of Dr. Jekyll und Mr. Hyde. Daneben erweisen sich anscheinend spießige, polierte Figuren ebenfalls als unerwarteter Ursprung von Übeln und möglicherweise als Spiegel der psychologischen Abgründe ihrer jeweiligen Zeit, wie beispielsweise der wahnsinnige Patrick Bateman. Das Böse haftet jedoch nicht nur spezifischen Figuren an, sondern wird auch durch Orte oder Gegenstände repräsentiert, so zum Beispiel die Büchse der Pandora oder dem einen Ring bei Tolkien. Spätestens mit der Entstehung des Schauerromans in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfreut sich das Böse als literarisches Motiv und Thema großer Beliebtheit. So sind es oft Orte, die das Böse und das Unheimliche beherbergen, miteinander verbinden und so selbst wichtiger
Bestandteil der Geschichte werden, wie es Walpole in der ersten Gothic Novel The Castle of Otranto b eschreibt.
Die Literatur selbst als Ursprung des Bösen
An Bedeutung gewinnt das Böse für die Literaturwissenschaft, wenn die Literatur selbst zu einer Ästhetik des Bösen ausgestaltet wird, so wie in Baudelaires Les Fleurs Du Mal. Außerhalb der Literatur wird diese selbst für ihre negative Wirkung von Philosophen und religiösen Instanzen teilweise als das exemplifizierte Böse denunziert. Zuletzt aber reflektiert die Literatur selbst die Gefahr ihres Genusses oder Konsums und warnt den ‚gierigen‘ Leser vor der Sünde der Lektüre, wie Madame Bovary oder der ‚fahrende Ritter‘ Don Quijote. Doch kann sich dieser Themenkomplex nicht bloß thematisch mit dem Bösen befassen, sondern muss sich der Frage stellen, inwiefern der Rezipient das Böse erfasst. Warum ist der Leser so fasziniert vom Bösen? Kann dem Leser selbst allein durch Lektüre Böses angetan werden?
2} Call for Papers- Frist:
Der 10. Studierendenkongress Komparatistik, der vom 13.–15.06.2019 stattfinden wird, soll sowohl Studierenden der Bachelor- und Masterstudiengänge als auch Promovierenden komparatistisch arbeitender Disziplinen die Möglichkeit bieten, sich mit Studierenden anderer Universitäten innerhalb des deutschsprachigen Raumes und darüber hinaus über die Themen ihrer Arbeiten oder Forschungsprojekte wissenschaftlich auszutauschen. Dabei geht es nicht nur um die Kommunikation zwischen den einzelnen Studierenden, sondern auch um den Versuch, die komparatistischen Fachschaften der einzelnen Universitäten in einen Dialog treten zu lassen und so den Wissenstransfer zwischen den einzelnen Universitäten anzuregen oder weiter zu verbessern.
Das Thema für den 10. SKK lautet „Literatur und das Böse“, welches zu den facettenreichsten Gebieten der Literaturproduktion und -rezeption gehört. Um den vielfältigen Betrachtungen und Reflexionen zum Thema eine weitere Facette hinzufügen zu können, laden wir Studierende und Promovierende der philologischen Disziplinen herzlich dazu ein, mit einem eigenen Vortrag oder einem Workshop an diesem 10. SKK teilzunehmen.
Dank seiner großen Wandelbarkeit tritt das Böse auf unterschiedlichste Weise innerhalb der Literatur in Erscheinung. Wird es auch bis zum heutigen Tage noch von Seiten der Religion und Ethik tabuisiert, so zählt es paradoxerweise zu den meistrezipierten Themen überhaupt. Wie kann das Böse als Begriff von der Literatur gefasst werden?
Denkbare Themenansätze wären u. a.:
1) Systeme und Strukturen des Bösen in der Literatur
Von natürlichen Katastrophen über machiavellistische, dystopische oder totalitäre Gesellschaftssysteme hin bis zu Murphys Gesetz – das Böse etabliert sich als notwendige Infrastruktur der literarischen Welt. Historische, politische und ideologische, aber auch religiöse Praktiken, Ereignisse und deren Spuren werden in der Literatur fixiert und vergegenwärtigt. Deren Reflexion offenbart das Böse als systemisches Phänomen bzw. als (sichtbare) Struktur.
2) Figuren des Bösen
Fantastische Figuren verkörpern seit jeher als Hexen, Dämonen, Vampire, Geister etc. in oral tradierten Geschichten bis hin zu aktuellen filmischen Inszenierungen das Böse. Magisch-Übernatürliches – oder dessen Anschein – qualifiziert sie als bösartig. Ob zu Recht oder nicht, sei dahingestellt. Doch auch ein vermeintlich ungefährliches Äußeres kann täuschen: so verbirgt sich auch im scheinbar Harmlosen das Böse. Manches Mal erweisen sich anscheinend spießige, polierte Figuren ebenfalls als unerwarteter Quell von Übeln; gleichzeitig kann man sie als Spiegel der psychologischen Abgründe ihrer jeweiligen Zeit lesen.
3) Räume und Gegenstände: Materialisierungen des Bösen
Wer kann heute noch einen goldenen Ring sehen, ohne an das Böse zu denken? Geprägt von literarischen Traditionen projizieren die Lesenden das Böse auf vermeintlich alltägliche Gegenstände und Orte – oder ihre eigene Imagination macht aus ihnen Mordwaffen oder gar die Büchse der Pandora. Mit dieser Erwartungshaltung setzen sich selbstverständlich auch Autoren[1] auseinander. Beispielsweise werden aus friedlichen, scheinbar romantischen Landschaften Todeszonen. Apropos Tod: Eigentlich als ewige Verdammnis für Sündige vorgesehen, treffen Leser in so mancher Erzählwelt auch auf ‚die Hölle auf Erden‘. So sind es oft Räume und Gegenstände, die das Böse sowie das Unheimliche beherbergen, miteinander verbinden und so selbst wichtiger Bestandteil der Geschichte werden.
4) Die Literatur selbst als Ursprung des Bösen
An zusätzlicher Bedeutung gewinnt das Böse für die Literaturwissenschaft, wenn die Literatur selbst zu einer Ästhetik des Bösen ausgestaltet wird. Außerhalb der Literatur wird diese selbst für ihre negative Wirkung von Philosophen und religiösen Instanzen teilweise als das exemplifizierte Böse denunziert. Zuletzt aber reflektiert die Literatur selbst die Gefahr ihres Genusses oder Konsums und warnt den ‚gierigen‘ Leser vor der Sünde der Lektüre. Doch kann sich dieser Themenkomplex nicht bloß thematisch mit dem Bösen befassen, sondern muss sich der Frage stellen, inwiefern der Rezipient das Böse erfasst. Warum ist der Leser so fasziniert vom Bösen? Kann dem Leser selbst allein durch Lektüre Böses angetan werden?
Formalia:
Wer sich für einen Vortrag oder Workshop bewerben möchte, sendet bitte bis zum 12.04.2019 (Frist abgelaufen) Folgendes an [email protected]:
Ø vorläufiger Titel des Vortrags/Workshops;
Ø ein ca. 300 Wörter umfassendes anonymisiertes Abstract plus Auswahlbibliografie (d. h. maximal 1 Seite in Times New Roman, Schriftgröße 12 mit 1,5-fachem Zeilenabstand, bevorzugt in deutscher Sprache, alternativ in englischer Sprache);
Ø Kurzinformationen zur Person als separates Dokument (akademischer Grad, sofern vorhanden; Studienort; Fachrichtung).
Die Beiträge sollten nicht länger als 20 Minuten dauern. Der Text sollte demnach ca. 7 Seiten lang sein (Times New Roman, Schriftgröße 12, 1,5-facher Zeilenabstand). Für die Workshops sind 60–90 Minuten vorgesehen. Wir bitten die Teilnehmer, ihren Beitrag dahingehend anzupassen.
Die weitere Planung sieht die Durchsicht der Abstracts bis Ende April 2019 vor. Im April werden wir die Abstracts gesichtet und ausgewählt haben und den Bewerbern Rückmeldung geben. Wir bitten darum, dass die Manuskripte bzw. Workshop-Konzepte bis zum 6. Juni 2019, also eine Woche vor Beginn des SKK, an uns geschickt werden.
Weitere Informationen finden sich unter https://www.facebook.com/skk19.bochum/ oder unter https://www.instagram.com/frkomparatistik/
Für Rückfragen stehen wir jederzeit per Mail zur Verfügung.
Euer SKK-Organisationsteam der Ruhr-Universität Bochum
Lise Allirand Rika Sakalak
Alina Braucks Charleena Schweda
Svenja Engelmann-Kewitz Thomas Stöck
Aldona Rztiki
[1] Alle Funktionsbezeichnungen sind geschlechtsneutral zu verstehen und stehen zur Anwendung für Personen jeden Geschlechts zur Verfügung.